Montag, 3. August 2015

Sommerlicher Schleusenmarathon und Übernachtung im Niemandsland, Teil 1 und Teil 2, 110., 111.. Tag


Teil1:
Der Franzose am Kai von Fontenay sagte mit beim Ablegen, dass die Schleusen erst um 9:00 Uhr aufmachen, auch heute am 2.8..
Ich weiß das auch, aber bisher hatte ich oft das Glück, dass ich schon um 8:30 Uhr in der Schleuse war.
Und so war es auch heute – um 9:00 Uhr war ich schon in der zweiten Schleuse und hatte alle hinter mir damit erst einmal abgehängt.
Es ist für mich am besten, alleine zu schleusen, deshalb diese Eile, denn dann kann ich mir den Platz aussuchen und muss nicht fürchten, dass mir einer „an de farv“ kommt.
Noch alleine, keineVerfolger in Sicht und wieder diese tollen Bilder, Wasser, Wald, Himmel

Und es hat geklappt, ich war den ganzen Tag alleine in den Schleusen, insgesamt 27 Stück. Auf der Hinfahrt hatte ich auf diesem Kanalstück 33 Schleusen geschafft und am Ende vor der 34. und vor dem Hafen, im Wald übernachtet.
Mal sehen, ob ich heute die 34 schaffe und damit den Scheitel zum Mittelmeer (besser vom Mittelmeer weg), danach geht es dann meistens bergab Richtung Mosel, Rhein und Ostsee.

Aber es sollte anders kommen.
Statt einen neuen Schleusenrekord aufzustellen, habe ich wahrscheinlich den Rekord im Telefonieren mit der VNF aufgestellt, 5 Mal musste ich dort anrufen, weil entweder eine Schleuse defekt war oder (1x) weil eine Drehbrücke nicht besetzt war.

Allegro in einer der typischen Schleusen,
Hub etwa 3,00 Meter

Der Brückenwärter war einfach nicht da – und ich konnte 45 Minuten warten, bis ein Ersatzmann auf dem Moped angerast kam – immerhin.

Die Fahrt sonst war schön – und schön warm, denn die Hitze ist zurück, 30 Grad waren es unterwegs, mindestens.
Aber durch den Schatten der Bäume und ab und zu Wind, war es gut auszuhalten.

Leiter und Bedienstangen leider gegenüber, also "rennen"

Allegro wartet artig, dass ich wieder herunter
geklettert komme, der weil startet die Schleuse













Anstrengend war es trotzdem, denn die Schleusen waren nicht für meine „Schnellschleuse-Methode“ geeignet, die blaue Stange war immer weit vorne in der Schleuse angebracht – und da wollte ich nicht hin, weil dort das Wasser gewaltig hereinstrudelt.
Also immer hinten an einer Leiter angelegt, festgemacht, die Leiter hoch (immer 3 Meter), um die Schleuse herum zur blauen Stange, Stange bedient und im Laufschritt zurück, Leiter hinunter auf’s Boot und die Leinen bedient.
Ein Zirkeltraining ist nichts dagegen.

Rot-Grün = en préparation

Das Schleusen ging dann routinemäßig, da hier alle Schleusen gleich sind, passiert immer dasselbe – man kann sich gut darauf einstellen.
Zuerst kommt die Welle von vorne, also Achterspring festhalten, dann wird diese Welle vom hinteren Tor zurückgeworfen – Aufgabe für die Bugspring – und danach muss man eigentlich nur noch festhalten und die Leine umlegen, wenn man nach oben gehoben wird.
Das Ganze heute also 27 Mal.




Zwischen durch einige Grundberührungen - ich erschrecke mich immer noch, jedenfalls, wenn sie während der freien Fahrt passieren – die Blödeste war die vor einer Schleuse, in die ich hinein wollte und ein Motorboot wollte hinaus.
Ich bin so weit wie möglich an den Rand gefahren, der Typ hat aber überhaupt keinen Platz gemacht, mit seinen 6,50 Meter langen Stinker und mich in den Schlamm gezwungen. Hat mich einige Mühe gekostet, da wieder heraus zu kommen.

Eigentlich wäre mehr ´drin gewesen, aber an den letzten drei Schleusen war ein Boot vor mir, dass alle drei Schleusen irgendwie außer Betrieb gesetzt hat.
Ich konnte es von unten nicht so genau erkennen, aber bei der ersten der drei Schleusen ist er von oben hineingefahren, dann standen plötzlich beide Lampen auf rot – also „en  panne“ und der Typ für rückwärts wieder `raus.
Damit hat er das ganze System durcheinandergebracht, denn die Sensoren waren wohl verwirrt, dass einer `rein aber nicht wieder `raus kam – jedenfalls nicht auf der richtigen Seite.
Es gibt auch schöne und bewohnte ehemalige
Schleusenwärterhäuschen, dies hier gehört zur
anderen Kathegorie

Jetzt liege ich also 6 Schleusen vor meinem eigentlichen Ziel im Wald, unterhalb von Schleuse 8, an einem Anleger ohne Strom und Wasser – aber tief genug – und ein paar Meter hinter mir der „Schleusenterrorist“, ein dem Aussehen nach uralter Holländer mit einem schmucklosen Motorboot – ich hoffe, er fährt morgen in die andere Richtung oder bricht später auf, den mit dem möchte ich nicht zusammen schleusen.
Hinter mir einer, den ich loswerden will ...






In den nächsten 2 Tagen wird es mit Strom, Internetverbindung und Wasser nicht viel besser werden, denn die Vogensen – die ich gerade überquere, sind eine ziemliche, aber eine schöne Wildnis.



Zum Fahrradfahren auf den Treidelpfaden am Kanal super, zum Abschalten vom Weltstress auch super, zum Kanalfahren super (wenn das Wasser da ist und die Schleusen funktionieren) –aber großer Mist zum Surfen im Internet, zum Telefonieren (geht gerade noch), whatsapp‘en und bloggen.

Naja, man kann nicht alles auf einmal haben- ich bin jedenfalls immer noch froh, dass ich diesen Kanal fahren darf – und nicht den Riesenumweg oder den LKW nehmen musste.

Und in 2 – 3 Tagen bin ich auf der Mosel, die ist tief, schiebt mich an und soll landschaftlich auch sehr schön sein – freue mich ´drauf.
Und die Häfen sind wieder an die moderne Kommunikation angeschlossen …


Teil2:
Heute, am 3.8., lief der alte Holländer um 7:00 Uhr aufgeregt auf der Wiese neben dem Anleger herum und fuchtelte immer wieder mit der Fernbedienung für die Schleusen herum – ich glaube er versuchte, die Schleuse zu öffnen!
Ich habe versucht ihm zu sagen, dass die Schleusen erst ab 9:00 Uhr aktiv sind – das dauerte eine Weile, denn er versteht außer holländisch gar nichts und ist zudem schwerhörig, wie er mir in Zeichensprache klar machte.

Der Blick nach vorne gerichtet, den hinten
ist noch "der"

Aber nach einer Weile hat er es kapiert und wir haben es sogar hinbekommen, uns zu einigen, wer in unserem Zweierkonvoi (leider ja!) vorne fährt – ich.
Ich will in der Schleuse lieber vor ihm stehen, denn hinter ihm hätte ich die Befürchtung, dass er von der Strömung auf mich getrieben wird – vorne ist es zwar unangenehmer und anstrengender, aber ich habe nur mit der Schleuse zu tun und nicht mit einen unberechenbaren, schwerhörigen, Motorboot fahrenden Holländer.



Die Schleusungen (insgesamt acht) klappten ganz gut, außer das einmal sein Boot alleine in der Schleuse schwamm und er oben auf der Mauer stand.
Ich dachte „jetzt bin ich ihn los“, aber vor der nächsten Schleuse war er wieder da, bevor ich darin verschwinden konnte.
Jetzt ist er weg, nach meiner Shoppingpause in Girancourt

.... ich kann wieder genießen und habe frische Luft, denn
in den Schleusen stank es wie in einer Garage, der
Motor desjenigen, dessen Namen man nicht ausspricht


Den ganzen Tag halte ich das mit dem Typen nicht aus, war mein Gedanke, als wir die Scheitelhalterung erreicht hatten (von nun an geht es also bergab, bis zum Rhein, dann noch ein bisschen bergauf vom Rhein nach Osten und dann ist die Ostsee erreicht – noch ziemlich weit, aber jeden Tag ein bisschen …) –also, wie werde ich den Holländer los?





Im Ort Girancourt (Wasserscheide zum Mittelmeer) ist gleich neben der Schleuse ein sehr guter Supermarkt, das weiß ich von der Hintour.


Ich beschließe dort kurz anzuhalten, einzukaufen (Wein, Milch, Brot, Käse, Äpfel) und dann weiter zu fahren, dem Holländer also eine halbe Stunde, etwa eine Schleuse, Vorsprung zugeben.



Schleusenselfie mit Schleusenfriese

An dieser Stelle ein kurzes Update zu meinem Alkoholkonsum: Ich bin auf den Geschmack gekommen, der Rosé, den es hier überall zu kaufen gibt ist wirklich lecker und wenn ich schon mal hier bin …
Also 3 Flaschen eingepackt, alle paar Tage gibt es Nachschub, immer aus der Region, wenn möglich.
Aber da ich ein Wein-Nicht-Kenner bin, schmecken mir alle Rosés irgendwie gleich – aber irgendwie auch alle gleich gut – also alles durchprobieren kann nicht schaden.

Schleusenhäuschen der netten Art

Eine von 14, nach gut 2 Stunden geschafft, die Treppe

Vielleicht entdecke ich ja doch noch einen Unterschied, wenn ich die Moselweine probiere – in ein paar Tagen.

Der Einkauf hat tatsächlich nur eine halbe Stunde gedauert, danach war das Schleusen eine Wonne – alleine – und es geht ab jetzt bergab – das geht leicht, kein Gerenne und kaum Kraftaufwand.
Nur aufpassen, dass das Boot parallel zur Mauer liegt.
Letzte Schleuse der Schleusentreppe von Golbey
und damit Vogesen adé




Eine Schleuse nach der anderen, zum Schluss die Schleusentreppe von Golbey, mit 15 Schleusen auf ungefähr 3 Kilometern, dauerte zweieinhalb Stunden.
Am Ende der Schleusentreppe (von oben gesehen) ist eine Zentrale der VNF,und gerade hier ist es am Schlimmsten. Auch auf der Hinfahrt war das schon so.
Die letzten beiden Schleusen „en panne“, Hilfe kam aber schnell, denn der Pausenraum der Schleusenwärter ist kaum 100 Meter entfernt.


Danach das flachste Stück der ganzen bisherigen Reise, mindestens 5 Aufsetzer, wieder direkt nach der Zentrale der VNF.
Ich bin heilfroh, wenn ich hier durch bin – das ständige Starren auf das Echolot geht mir „auf den Zeiger“.
Naja, morgen soll es regnen, vielleicht sorgt das für höheren Pegel.
Einer derschönsten Abende, noch dazu umsonst ...

Ansonsten ist das Wetter wieder hochsommerlich, im Moment (18:45 Uhr) noch 34 Grad.
Deshalb habe ich an meinem Liegeplatz für die Nacht (ein Kai ohne Versorgung beim Ort Chavelot, vor Schleuse 19, Usine de Thaon) statt in meinem Schweiß zu baden, ein erfrischendes Bad im Kanal genommen.


... allerding auch kein Strom, keinWasser, kein garnix

... aber toll, man kann baden, wenn man Mut hat (wie ich)

Stimmungsvoll
War gar nicht so schlecht, auch wenn das Wasser nicht gerade klar ist – eher schlammig trübe, aber die vielen Angler zeigen ja, dass es ökologisch in Ordnung ist – oder?

Und hier ist wieder ein Netz zu erreichen, so dass ich wenigstens Texte in den Blog hochladen kann.






Ach ja, meine Holländer habe ich übrigens nach der Schleusentreppe wieder eingeholt –und oh Glück, er hat sich als Übernachtungsplatz einen Anleger für Kiestransporter, 2 Schleusen hinter mir ausgesucht – den werde ich also Morgen nicht mehr am Hals haben – vorausgesetzt, alle Schleusen vor mir sind nicht „en panne“.





 
Abends, ein Glas Rosé in der Hand ...
  

Für die Statistiker, heute gut 20 Kilometer und 26 Schleusen  - Fahrtzeit 8 Stunden, minus eine halbe Stunde für´s Einkaufen.






... die Sonne versinkt ...

... traumhaft... gute Nacht


Samstag, 1. August 2015

Happy, happy ,happy, 109. Tag

 
Die Nacht zum 1.8.15 (heute) habe ich nicht gut geschlafen, weil ich immer wieder alle Möglichkeiten hin und her gewälzt habe (und mich dabei auch), was ich denn nun machen soll.

Irgendwann zwischen 2 und 3 Uhr habe ich mich dann entschieden: ich werde den anderen Kanal fahren, also wieder 2-3 Tagesreisen nach Süden und dann Richtung Paris, aber vor der Hauptstadt rechts ab, um dann auch nach Toul zu kommen.


Man sieht an den Kanalrändern, wieviel Wasser fehlt.

Soweit der Stand beim Aufstehen. Glücklich war ich mit der Entscheidung nicht, denn sie bedeutet etwa 400 km Umweg und 150 Schleusen zusätzlich, dazu ein Hebewerk und einige Tunnel, einer sogar mit Treidelpflicht (man darf also nicht selbst motoren).
Außerdem ist er auch nur bis 1,80 Metern befahrbar – was, wenn dort auch Wassermangel herrscht?
... und auf der anderen Seite dasselbe Bild - erstaunlich

Trotzdem bezaubernd und romatisch - aber mit Muffensausen

Dazu schwimmen überall diese Grasinseln herum


Mit diesen bangen Gedanken am Frühstückstisch (etwas später als sonst, denn wozu beeilen?), beschloss ich gegen 9:00 Uhr in der VNF Zentrale anzurufen und zu fragen, ob die Wassertiefe des Champagne-Boulogne Canals (das wäre der Umweg) garantiert ist.





Mit dem Handy in der Hand und dem letzten Löffel Müsli missmutig im Mund, rief ich aber zuerst noch einmal die Zentrale für den Canal de Vosges an, um bestätigt zu bekommen, dass er immer noch zu flach ist.

Ich traute meine Ohren kaum, als ich den schnell französisch sprechenden Mitarbeiter sagen hörte „Une-cinqante, ca va“. „Encore une fois, s‘ il vous-plait“ antwortete ich verdattert, „je peut aller vers Toul avec mon bateau?“


Märchenwald

So schön und doch so aufregend
„Qui, 1,50 is ok“ kam die Antwort (wieso eigentlich auf Englisch?)

Also, alle Pläne blitzschnell über den Haufen geworfen, Alarmstart in den Canal, ehe die VNF es sich wieder anders überlegt.
Im Laufschritt zur Hafenmeisterin, LKW-Anfrage canceln und Hafengeld bezahlen. 






Kurz vor Fontenoy-le-Château, dem ersten Hafen
im Canal, es sollte der Einzige bleiben

Netterweise ruft sie gleich bei der ersten Schleuse (nur 10 Minuten entfernt) an und meldet, dass Allegro freie Fahrt hat – der Schleusenwärter hätte mich nämlich immer noch nicht durchgelassen – aber wenn die Zentrale es erlaubt – alors!

Schnell noch bei Anita und Ralph verabschieden und dann ohne aufzuräumen, duschen und sonstige Routinetätigkeiten, Festmacher los, Motor an und ab die Post.

....sonst ist nicht so viel los, aber okay

Rousseau war schon immer mein Lieblingsphilosoph,ob er
den volonté général hier erfunden hat?
  



In der Schleuse bekomme ich anstandslos meine Fernbedienung für die nächsten etwa 100 Schleusen bis nach Toul, dafür werde ich 3 – 4 Tage brauchen. Morgen kommt etwa jeden Kilometer eine Schleuse, mal sehen, wie weit ich komme, Ziel ist die Scheitelhaltung, also die Vogesen ganz oben.







Die erste Etappe bringe ich ziemlich problemlos hinter mich, etwa 40 Kilometer und 13 Schleusen.
Zwischendurch mal `ne kurze Grundberührung, noch eine und noch eine, aber meistens ist es problemlos tief. Allerdings ist erstaunlich, wie unterschiedlich der Wasserstand zwischen den einzelnen Schleusenabschnitten ist – alles dabei von Hoch über normal, bis reichlich flach.


 



Ich habe wenig Zeit zu fotografieren oder mich umzugucken, weil ich fast immer wie gebannt auf das Echolot starre, 1,70 war die flachste Stelle, bis auf die 3 kurzen Aufsetzer im Schlamm.

Ich bin wieder alleine unterwegs, ein paar Schiffe kommen entgegen, und Schleusenwärter sind (zum Glück) auch nicht in Sicht, denn ich benutze wieder meine „Freelancertechnik“, mit Festmachen an der blauen Stange – das klappt prima und geht schnell, denn die Leitern in den Schleusen sind ziemlich unpraktisch, sehr weit weg von den Stangen und dicht an den Schleusentoren angebracht – also zwei Gründe, sie nicht zu benutzen – weder zum Festmachen noch zum Hochklettern.

Um etwa 15:00 Uhr bin ich in Fontainoy-le-Chateau, einem Örtchen mit Mauer zum Anlegen, aber einer recht großen Charterbasis von “le boat“.
Strom, Diesel und Dusche (dringend!) gibt es ein paar Schritte vom Liegeplatz entfernt, günstig ist es auch noch (alles zusammen 14,00 Euro) und die Leute sind nett.
Der Bäcker mir dem besten Brot der ganzen
Reise - in Fontenoy-le-Château


Im Ort ist ein kleiner Tante-Emma-Laden, (wie sich das anhört gegen Boulangerie-Patisserie), bei dem ich mir etwas Kuchen zur Belohnung für den überstandenen Stress kaufe (lecker).
Sonst ist hier wenig bis gar nichts los – aber Hauptsache ich bin im Canal, und zwar im Richtigen, und das bin ich und ich bin happy.





Stressbekämpfung mit Kalorien aus der Patisserie


Die Ungewissheit und der bevorstehende lange Umweg haben mich doch arg belastet – aber eine Woche in Corre herumzuhängen, ohne die Gewissheit zu haben, dass es dann besser wäre?
Wäre auch blöd gewesen – alles andere als der jetzige Weg wäre blöd gewesen – deshalb bin ich happy, happy, happy.




 
Erinnerungsbecher gegen schlechte Schwingungen

Als Ausdruck meines Glücksgefühls kaufe ich mir gleich noch einen Kaffeebecher mit der Aufschrift „le boat“.
Diese Urlaubsboote haben mich oft genervt unterwegs, aber jetzt könnte ich sie alle umarmen – und diese Erinnerung will ich mit dem Becher konservieren – und mich nicht an den Ärger mit den Freizeitkapitänen erinnern – sondern nur daran, dass sie ja schließlich auch nur Urlaub und Spaß haben wollen – und außerdem nichts (oder wenig…) dafür können, wenn sie nicht geradeaus fahren.



Ich werde bis Toul (und dann ist es überall tief genug) noch 2, eher 3 Tage brauchen, immer den Blick auf dem Echolot, aber mit Spass an der Sache – toitoitoi und immer `ne Handbreit …

Freitag, 31. Juli 2015

Auf einmal ganz viel Zeit – ungewollt, 108. Tag



Heute wird es spannend, nicht die Schleusen, das Wetter, die Wellen, die Lichtmaschine, der Drehzahlmesser oder was mich sonst bisher alles beschäftigt hat.
 
Letzte Bilder von der Petit Saone



Es geht um 1,40, 1,50, 1,80 – das sind Wassertiefen und Tiefgang meines Bootes.
Normalerweise hat der Canal de Vosges, vor dem ich heute um 12:00 Uhr angekommen bin, und damit das Ende der schiffbaren Saone erreicht habe, also normalerweise hat der Canal so viel Wasser, dass Schiffe mit 1,80 Metern Tiefgang garantiert passieren können.

Sieht aus wie in Angeln


Ich fahre also in die erste Schleuse dieses schönen Kanals ein, der Schleusenwärter kommt, nachdem ich oben bin. Normalerweise verteilt er dann die Fernbedienung für die nächsten etwa 100 Schleusen.
Der Fluss wird schmaler und schmaler,
ist bald nicht mehr schiffbar




Heute aber nicht! Merde!
Er erklärt mir sehr nett, dass der Kanal nur für Schiffe bis 1,40 Metern Tiefgang sicher zu passieren ist, ich habe schon geflunkert und 1,45 angegeben, statt der korrekten 1,50.





Also Wassermangel im Kanal, ich kann nicht durch.

Alternative Kanäle gibt es, aber die haben auch nur eine Garantie von 1,80 Metern und sind ein riesiger Umweg oder ich müsste mehrere Tage zurückfahren, um einen – nicht empfehlenswerten – anderen Weg zu nehmen.


Ich fahre erst einmal durch die Schleuse, um am Stadtkai des Städtchens Corre festzumachen – und zu warten, fragt sich bloß wie lange. Tage, Wochen?
Aber – auch das noch – der Stadtkai hat nur 1,20 Meter Tiefe, ich komme gar nicht bis ans Ufer.

Also zurück, nochmal durch die Schleuse, und in die Marina Corre, in der ich auf dem Hinweg schon einmal war.
Sehr nette Hafenbetreiber (Schweizer) – deswegen liegen hier auch so viele Schweizer als Dauerlieger – gutes Internet, alles vorhanden.
Hier könnte man bleiben – ich will aber nicht!
 
Na dann "Prost", da kann man sich nur besaufen ...


Ich lasse gerade einmal prüfen, wie teuer der Transport per LKW nach Toul wäre, ich würde dann die flachen 120 km des Canals de Vosges mal auf eine alternative Art hinter mir lassen.
Regen ist nämlich nicht in Sicht – und es müsste wohl schon gewaltig gießen, damit der Kanal wieder befahrbar wird – für mich.





Mit dem LKW müsste ich eine Tagesreise zurück, dann aufladen, dann nach Toul,
dann abladen und die Mosel weiterfahren – hört sich leicht an – der Teufel steckt wahrscheinlich im Detail (Genehmigungen, Termin …).

Bisher lief alles so gut – und nun das – aber gegen die Natur ist man eben doch noch machtlos.

Das Positive am heutigen Tag, schönes Wetter (obwohl so ein 2-tägiger Dauerregen … naja) und der Drehzahlmesser geht wieder einigermaßen.
Ich hatte gestern den Geber gesucht, war mir aber nicht sicher, ob das Ding, das ich gefunden habe auch das Richtige ist und habe deshalb nur ein bisschen daran gewackelt. Aber eigentlich nichts gemacht, weil ich Angst hatte, irgendeinen anderen Kontakt abzubrechen.
Die letzte Biegung der Saone

Heute Morgen dann im Dehler Forum ein Foto vom Geber, übermittelt von Adson. Ich habe also die Bestätigung, dass ich den Geber gefunden habe, wackele noch ein bisschen an den beiden Kabel und siehe da, beim Motorstart setzt sich der Zeiger ruckelnd und zögernd in Bewegung, zeigt dann eine Weile (immerhin 3 Stunden) ordentlich an, bis er wieder den Dienst einstellt.

 
Viel Zeit in Hafen von Corre ...






Der Sache gehe ich dann nachher oder in den nächsten Tagen auf den Grund – ich habe ja viel Zeit im Hafen von Corre.








Als Lehre ziehe ich aus den Problemen mit den Kabeln am Motor, dass es wohl besser gewesen wäre vor dem Start einer solchen Reise (mit viel Motorfahrt und Hitze) alle Kabel ordentlich zu prüfen und gegebenenfalls zu ersetzten  - wäre besser gewesen. Naja, so mache ich das jetzt, Schritt für Schritt, im Hafen von Corre, ich habe hier ja viel Zeit.

Eine Sicherheitskopie von den bisherigen Blogeinträgen wollte ich auch schon immer machen – mache ich bald, ich habe ja viel Zeit jetzt – im Hafen von Corre.

Jetzt ist aber gut, auch mit dem Selbstmitleid – Natur ist Natur und LKW ist LKW – der Spruch des Tages.
Mal sehen, was sich ergibt.

Da man fehlendes Wasser nicht fotografieren kann, in diesem Bericht nur ein paar (Abschieds)-Bilder von der Saone, die tief genug ist, und der Landschaft.

Ein wunderschöner Abend im Petit Port,107. Tag

Seit gestern Nachmittag (30.7.) bin ich in der Nähe von Corre, genau gesagt im Petit Port von Fouchécourt - zusammen mit Ralph und Anita.


Wir haben uns nach mehr als 2 Monaten (gemeinsam auf der Rhone) wiedergetroffen und einen sehr schönen Abend im Hafenrestaurant verbracht - hier kocht der engagierte Hafenmesiter selbst, super.
Wir hatten uns viel zu erzählen, sie haben den Mistral erlebt und unfreiwillig 6 Tage in Avignon am Kai gelegen, inklusive durch gescheuerter Festmacher, ich habe vom Mittelmeer erzählt und und und ... und ich habe neue Freunde gewonnen auf der Reise durch Europa.

Heute Morgen (13 Grad, brrrrr) geht es weiter Richtung Norden, die große Frage:
Hat der Canal de Vosges genug Wasser für Allegro? Ich hoffe, sonst ..... jaaa, sonst weiß ich noch nicht.

Soweit für heute.
Im Canal de Vorges werde ich wahrscheinlich wenig Internetverbindung haben, (wenn ich denn ´reinkomme), ich melde mich wieder - sobald ich kann.

Grüssli und bonjour.

Und heute nur einfach mal Bilder von unterwegs auf der schöne Fahrt nach Fouchécourt (Hintergrundbilder? Oder Facebook?)




























Das Zeug mag' ich nicht