Dienstag, 9. Juni 2015

Wat ´n Stress – ja nee is klar, näää, 54. Und 55. Tag


Unter dem Leuchtturm von Sète

Seit vorgestern Abend bin ich also in Sète, heute ist Dienstag (9.6.), am Sonntagabend bin ich eingetrudelt und habe mich erst mal geduscht und ausgeschlafen.
Beides war nötig.

Und dann geht’s los – den ersten Mittelmeerhafen meines Törn zu erkunden.
Erster Weg zum Hafenmeister (bzw. Hafenmeisterin), sagen, dass ich da bin und fragen, wann ich den Kran benutzen kann, um den Mast zu setzen.
Hafenblick vom Café aus
Bezahlen muss ich noch nichts, erst bei der Abreise – Vertrauensvorschuss also.

Bei den Arbeitern des Servicebetriebes bekomme ich den Termin für den Mastenkran, Dienstag 14:00 Uhr, „beaucoup travail, Monday not possible“.

Na gut, habe ich also Zeit, leider kann ich den Mast nicht auf dem Steg vor dem Kran vorbereiten, „il faut faire ca sur le bateau?“ „Qui, sur le bateau!“
Ich muss den Mast also an Bord zusammenbasteln und gleichzeitig die Mastauflagen abbauen, bzw. so herrichten, dass der Mast gestellt werden kann.

Teile suchen, finden, bereitlegen, anbauen.
Zum Glück liege ich mit dem Heck am Steg, so dass ich wenigstens den Masttoppbeschlag (den Neuen) einigermaßen bequem anbauen kann, dabei hilft mir der Tritt, den ich von Yachtausrüster IKEA mitgenommen habe.
Alles klar, Masttopp sitzt, Kabel angeschlossen, Windmessanlage angeschlossen, alle Lampen – ob das alles funktioniert werde ich merken, wenn die Kabel mit der Batterie verbunden sind – aber warum sollte es nicht funktionieren, hat ja immer bisher. Windex auch – nicht  vergessen.


Definition für Chaos? Meine Kajüte!


In Kletterei artete es aus, als ich die ganzen Fallen vom Mastfuß lösen musste, denn der 
Mastfuß schwebt 1,50 Meter vor dem Bugkorb, fast zwei Meter tiefer, das 21 Grad warme und 5 Meter tiefe Hafenwasser.
Ich saß also freischwebend auf dem Mast und tüdderte die Leinen los, Krampf im Oberschenkel – jaa, aber ging wieder weg, das alles bei mehr als 30 Grad.




Das war eigentlich Stress, aber komischer weise hat es mir trotzdem Spaß gemacht.
Noch stressiger war es dann, die Salinge anzubauen, immer mit der Angst im Nacken, irgend etwas- was nur einmal vorhanden ist – ins Wasser fallen zu lassen – das dürfte auf keinen Fall passieren, zum Beispiel die Abschluss-kappen auf den Salingen, die die Oberwanten halten, einige Bolzen und so dies und das.
In Deutschland wäre das nicht so das Problem, Yachtausrüster, Bauhaus usw. sind nie weit – aber hier: Fehlanzeige, einen Yachtausrüster habe ich in Sète bisher nicht entdecken können.

Aber alles ging gut, Mast lag nach einigen Stunden fertig aufgetakelt auf den Stützen.





Am nächsten Tag (also heute, 9.6.) erst mal kontrollieren, was ich gestern gebastelt habe, alle Leinen laufen richtig, Wanten ordentlich, Wantenspanner vorbereitet, Splinte da, …
Nach einem Badeausflug an den 100 Meter entfernten kleinen, aber netten, Strand, mache ich die Leinen los und motore zum Mastenkran.
Ich bin um 13:50 Uhr da, um 14:00 Uhr fährt oben auf der Hafenmauer ein Mechaniker vor, der aber erst einmal wieder verschwindet – naja, ist ja auch heiß hier, um 14:20 Uhr sind dann plötzlich 3 Mann da und diskutieren, wie man den Mast in die Senkrechte bekommt.
Ich kann mich mit meinen Vorstellungen nicht recht durchsetzen, die 3 wollen den Mast drehen und überlegen jetzt wie.
Dann wird der Kranhaken angeschlagen, ein anderes Boot, das an Land aufgepallt ist, wird fast mit hochgehoben, weil sich eine Kante des Krans unter der Stütze für die Schlauchboothalterung verklemmt hatte.
Ich beschließe, aufzupassen wie ein Luchs.
Dann wird der Mast angehoben, die 3 sind überrascht, dass er im Gleichgewicht bleibt - sag` ich doch, zum Glück haben sie den Kran dort angeschlagen, wo ich es gezeigt habe.
Meine weitere Anweisung, nach den Oberwanten das Vorstag anzuschlagen wird nicht umgesetzt, stattdessen kämpft einer der Drei mit dem Mast, den ich inzwischen schon im Mastfuss gesichert habe.
Die Wanten werden erstmal angeknallt (von mir),aber bei gepfeilten Salingen muss das Vorstag eben auch fest – geht nicht, Kran im Weg.
Ich will das Toppfall statt dessen am Bug anschlagen, „non non non“, bis ein weiterer Franzose denselben Vorschlag macht „qui qui qui“.
Naja, lange Rede kurzer Sinn, der Mast stand nach einer Stunde, in Flensburg brauche ich dafür – mit Schwiegervaters Hilfe, normalerweise 15 Minuten.
 
Er steeeeeeht!
Aber die 3 waren nett, ich habe gesagt, dass ich in 2 Monaten wieder da bin und dann das Ganze retour passiert.
Alle drei meinten, sie würden dann Urlaub nehmen – witzig.
Aber man sieht mal wieder, dass man am Besten alles selbst macht – oder mindestens aufpasst wie ein Flensburger Luchs.

Inzwischen bin ich wieder am Liegeplatz, habe einen Teil des Chaos beseitigt, das entstanden ist, weil ich  die verstauten Wanten und den ganzen Kram ja irgenwo hervorholen musste und dafür fast das ganze Boot umgeräumt habe.
Mast steht, Baum ist ´dran, Holzstützen sind abgebaut, Morgen kommt der Feintrimm und die Segel werden angeschlagen und es wird aufgeräumt – wieder und wieder – und alles so verpackt, dass ich vor der Rücktour den größten Teil wiederfinde.
Franzosen bleiben vor dem Boot (eigentlich hinter, am Steg) stehen und meinen „Dehler, bon bateau, ca marche bon“.
Echt, kein Quatsch, Dehler ist hier bekannt und hat anscheinend einen guten Ruf. 
Mit Recht finde ich und es ist auch nicht das erste Mal, dass ein Franzose „Deeehlääär“ zu mir sagt.

Zwischendurch kurzen Strandgang, herrlich erfrischend das Mittelmeer, schätze so um 20 Grad warm.

Ach ja, gestern habe ich auch noch einen Ausflug in die Stadt gemacht – nicht, dass man meint, ich schraube nur am Boot herum.
Die Stadt ist nett, beherrscht durch einige Kanäle und viel Fisch, der hier angelandet wird.
Beladen mit Wasser und Säften (ich kaufe immer zu viel und schleppe mich dann ab) muss ich unterwegs eine Pause einlegen, im „Vieux Café“, vor dem Fischmarkt – riecht nicht nach Fisch, ist eben frisch – nach der Pause, geht’s mit frischer Kraft zum Boot – das wieder ein Segelboot wird.

Morgen nochmal eine Menge zu tun, wenn das Wetter es zulässt, will ich übermorgen weiter.

Das ist der Nachteil am Meer, man ist von den Launen des Wetters (besonders der Windes) abhängig, in den Kanälen bin ich einfach losgefahren – da ist es egal.

Aber – das ist auch sicher – ein Boot wie meins gehört ans Meer – und da ist es nu.

Montag, 8. Juni 2015

Merkwürdiger Kanal mit komischen Fischen und viel Wartezeit - aber das Mittelmeer ist erreicht, 53. Tag



Gestern Abend (7.6) war ich zu müde, um noch etwas halbwegs Vernünftiges aufzuschreiben.
Es reichte nur noch dazu, die Pellkartoffeln vom Vortag mit dem Rest Quark vom Vortag mit einem Kalten Bier herunter zu spülen, dann ab ins Bett, mit einem letzten Blick auf den Leuchtturm von Sète, der ein paar Meter entfernt die Hafeneinfahrt überragt.

Warum hat der Tag auf dem Wasser so lange gedauert, es waren doch nur etwas mehr als 55 Kilometer?
Gallician im Kielwasser


Nach dem Auslaufen um 7:00 Uhr aus dem „Hafen“ von Gallician, der eigentlich nur aus einer Mauer am Kanal besteht, aber tief genug ist, Strom und Dusche bietet und wieder einen neue Stimmung mitbringt – eben ein Camargue-Hafen – noch ein letztes Winken zu meinen schweizerischen Mitfahrern.


Mann kann auch amSchilf festmachen




Sie wollen heute nach Aigues-Mortes, soll ein sehr sehenswertes Städtchen sein, würde ich auch gerne hin, aber leider zu flach, mit 1,50 Meter wird die Tiefe angegeben – nach meinen Erfahrungen ist es dann eher flacher, will ich nicht riskieren – schade.
Schlafen alle noch

Das ist nicht der Hafen, das ist dahinter
Jeder Abschied tut ein bisschen weh, man fühlt sich dann eine Weile alleine, mehr als sonst, und es stört dann – obwohl ich sonst mit mir alleine ganz gut zu recht komme.
Die Fahrt dann auf dem Kanal ist etwas eintönig, weil die Kanaldämme meistens so hoch sind, dass man wenig von der Landschaft sieht – dafür ist es aber eine gute Abkürzung zum Mittelmeer und ich erspare mir die noch recht lange Fahrt auf der Rhone und die teuren Anlagen von Port St. Louis, bei Marseille.
Auf dem Rückweg werde ich denselben Weg 
nehmen, und einige Dinge beachten, die ich gestern noch nicht wusste.
Schön ist es trotzdem hier
Was ist das Besondere an diesem Kanal? Gut die hohen Dämme, die die Sicht beeinträchtigen, aber auch vor Mistral (stürmischer Wind) schützen. Und dann sind da die Frachter, die diesen Kanal auch (in sehr geringer Zahl, zum Glück) nutzen. Diese Frachter sind ziemlich groß und breit, und das Schlimmste, sie fahren teilweise nur mit 4 km/h oder noch weniger, wenn man also hinter so einem Monster fährt, hat man kaum eine Chance zu überholen, und kann sich auf eine lange Fahrt durch den aufgewühlten Matsch hinter dem Frachter einstellen.


Politik kommt auch nicht zu kurz

Einer von den luxuriöseren Festmachern


Gegen 11:00 Uhr etwa, tauchte so ein Monster vor mir auf, fuhr mit 3 km/h – ich hatte aber Glück und konnte mich vorbeischleichen, wobei das gar nicht so ohne ist, denn manwird förmlich angesaugt, wenn man daneben herfährt. Ist man erst mal vorbei, verschwindet erschnell im Kielwasser- weiter bis zum nächsten Frachter.





Unterhaltsam unterwegs für mich: Die vergebliche Ausschau nach den Flamingos, wo sind die denn? Entweder noch in Afrika, oder wo sie sonst sind – oder ich habe die flamingo-lose Strecker erwischt, na ja, die kleinen weißen Reiher und die Pferde sind auch ganz nett.
Da quert ein Fluß, kann man absperren



Die Mücken allerdings nicht, die uns gestern Abend beim gemütlichen Rose (eisgekühlt, schöner kleiner Luxus auf Olimar) überfallen haben- aber Annita wusste Rat, holte eine kleine Sprühflasche „Brumm-weg“ oder so ähnlich und die Mücken haben sich verzogen.
Hin zu unseren französischen Nachbarn wahrscheinlich, Bootstouristen denen wir 3 mit vereinten Kräften beim Anlegen geholfen hatten – und ich dabei in letzter Sekunde meinen Flaggenstock am Heck retten konnte. 
 
Einsam


Noch einsamer - und 0 Flamingos
Da wird gefeiert, nur kurz unterbrochen von so nebensächlichen Tätigkeiten wie anlegen, Boot festmachen und so.

Ebenfalls unterhaltsam unterwegs sind die komischen Fische im Kanal, die springen dauernd ´rum. Sie sind etwa heringsgroß, und springen übermütig aus dem Wasser, ab und zu knallt auch mal einer gegen die Bordwand - aua – und ein kurzer Schreck für mich, denn Knallen an der Bordwand sorgt immer für einen kurzen Atemstillstand.



Aber auch diesen „Crashtest“ hat die Dehler 32 bestanden - ich hoffe der Fisch auch, wenigstens ohne ernste Verletzungen.
Kriegen Fische eigentlich Beulen am Kopf?

Wartezeit die Erste


Gegen 13:30 Uhr dann der zweite Frachter vor mir, noch dicker, noch lahmer – Überholen unmöglich.

Wartezeit die Zweite
Aber , wir sind schon 3 Kilometer vor Sète, dann kommt ein Abzweiger für die Berufsschifffahrt und die „bateaus de plaisance“ –also wir - müssen durch den Vorort, für sie ist der Seehafen gesperrt.



In diesem Vorort befindet sich eine Brücke, sehr flach, die laut Reiseführer so alt ist, dass sie am Tag nur zwei Mal geöffnet werden darf, um die Mechanik zu schonen.
Die Öffnungszeit: 16:00 Uhr. Also hinter dem Frachter herschleichen, und dann fast 2 Stunden in der Mittagshitze auf die Brückenöffnung warten, am Kai, mit 2 Meter Abstand vom Ufer – zu flach.





Macht aber nicht viel aus, ich trinke Unmengen von kaltem Wasser und Säften und gucke den Schülern zu, die direkt im Kanal einen Wettbewerb im Fischerstechen austragen – für Abwechslung ist gesorgt.
Pünktlich geht die Brücke auf, durch und weiter – ja, bis zur nächsten Brücke. Eine halbe Stunde später stehe ich vor der großen Eisenbahnbrücke von Sète, die mich mit 4 folgenden Dreh- oder Klappbrücken noch von Hafen trennt.
Brückenöffnung per Funkanfrage, Antwort: 19:20 Uhr.
Prost, wieder Wasser und Säfte – an einem Kai, an dem jede Menge nerviger Motorbootfahrer vorbei fahren und von dem Schwell, den sie erzeugen, anscheinend keine Ahnung haben – aber ich habe ja dicke Fender.
Auf dem Kai maritimes Leben, die Anwohner haben Sonnenschirme, Stühle und Tische und Grillroste auf den Kai gestellt, um gegen Abend draußen die Wäre zu genießen. Schön, aber ich warte auf die Brücke!
Erster Eindruck von Sète

"Bootchen"

Sie öffnet pünktlich und ist mit den folgenden 4 Brücken koordiniert, so dass ich ohne Verzögerung durch Sète fahren kann und um etwas 20:15 Uhr im Hafen Port St. Clair bin.
Auf dem Weg: Palmen und méditeranes Leben, ich bin am Mittelmeer, im Süden und es gefällt mir, sehr sogar.






Noch etwas Neues, es nimmt kein Ende – hier macht man „römisch-katholisch“ fest, also mit dem Heck zum Steg und der Bug wird von einer Muringleine gehalten, die man vom Steg aufnimmt.
Mein erster Anleger auf diese Art klappt perfekt und bringt mir die Bewunderung des gesamten Hafens ein – ist nur keiner da.






Mit Motorradreifen - praktisch

Doch, neben mir ein nettes französisches Pärchen, die auch zu den Balearen wollen, mit einem etwas angeschlagenen, kleinen Aluboot. Und das nette Paar aus Bremen, das schon seit einem Jahr unterwegs ist – Mittelmeer rund – außen herum durch die Biskaya, Gibraltar und so, mit einem sehr schönen 12 Meter Schiff.
Von ihnen bekomme ich sogar den Schlüssel für die Dusche, (Hafenmeister hat schon Feierabend) so dass ich zwar etwas erschöpft aber doch sauber in die Koje fallen kann.

Mont St. Clair,der Namensgeber für den Hafen


Morgen (bzw. heute, den ich schreibe ja zur Abwechslung mal zum Frühstück) werde ich mal sehen, wie ich den Mast wieder in die Senkrechte bekomme – und dann, mit vernünftigem Internet (hoffe ich), auch die Fotos hochladen.

Viel Arbeit – ich freue mich darauf.








Und hier folgt nun noch die Statistik über den Weg ins Mittelmeer, von Flensburg aus - 
quer durch Europa:


Reisezeit in Tagen:



Brutto: 53, netto 46

(5 Tage Aufenthalt in Hannover, 1 Tag in Masstricht, 1 Tag in Condrieu, 1 Tag in Avignon).



Ausgaben in €:

1550.--
Davon für Diesel:
371.--
(ungefähr, durchschnittlicher Dieselpreis zu 1,35 € angenommen, noch 40 Liter im Tank und 15 in Kanistern vorhanden).

Dieselverbrauch in Litern:
264 Liter

Zurückgelegte Strecke:
1246 Seemeilen, also ungefähr 2330 Kilometer
(Das GPS ist manchmal ausgefallen, also sind es über Grund ein paar Meilen / Kilometer mehr)

Dieselverbrauch pro Seemeile:
~ 4,7 Seemeilen pro Liter

Motorstunden:
326,9 Stunden

Durchschnittliche Geschwindigkeit (Seemeilen/Motorstunden):
3,8115631 Seemeilen pro Stunde, also etwa 7,1276229 km/Std.
Also so ungefähr das Tempo eines lahmen Joggers - bis schneller Fußgänger.
(Ist eigentlich Quatsch, denn in den Schleusen zählen die Motorstunden auch, aber es wird kein Weg zurückgelegt, ähnlich An- und Ablegen usw.)

Durchschnittliche Ausgaben pro Tag:
Etwa 30 €, Liegegebühren, Diesel, Essen, sonstiges, alles enthalten.

Das wird ab jetzt teurer,schätze ich -is' mir egal, is' mir egal...