Samstag, 18. April 2015

3. Tag, Großenbrode – Lübeck, Ende mit Ostsee



Ich habe mir für heute vorgenommen keine Albernheiten zu schreiben,  nur seemännisch Interessantens, deshalb die knappe Überschrift und (wohl) nur das Nötigste zum Törn.
Ausgelaufen mit dem Sonnenaufgang, 6:00 Uhr, Richtung Süden, 
Im Morgengrauen  ... wann darf ich mal Auspennen?

Ansteuerung Travemünde um 10:00 erreicht, Passathafen in Travemünde passiert um 10:30, damit haben wir die Ostsee verlassen, Trave aufwärts, Ankunft in Lübeck vor Hansahafen um 13:00, Fahrtzeit 7 Stunden, 35 Seemeilen über Grund.
Travemünde in Sicht
Die Flaschenpost wird entsorgt (darf man das so sagen?)



Besonderheit: Vor Travemünde wurde die erste Flaschenpost der Seglervereinigung Flensburg versenkt bzw. zu Wasser gelassen.




Passathafen, bei schönstem Wetter

Idylle in der Trave












"Angler säumen seinen Weg..."














Das Ziel ist in Sicht

Kurz und knapp bis hierhin, doch erstens kommt es anders und zweitens …

Hansa Hafen: Kein Strom, keine Wasser, nix - dafür umsonst...
Um 13:00 vor dem Hansahafen angekommen, musste ich feststellen, dass der Hafen offensichtlich nicht mehr existiert (als Marina jedenfalls), sah alles trist aus, nicht hyggelig, also weiter zum empfohlenen Hafen der Motoryachties aus Lübeck. Quer durch einen Teil der Altstadt, durch parkähnliches Gelände ging es zum LMC.


Das ist schön, führt aber nicht zum Ziel ...




Nach der Beschreibung in meinem „Reiseführer“ zu deutschen Binnengewässern erwartete ich was Nettes. Auch das wurde nix, kein freier Platz, wenn, dann zu flach, der einzige freie Platz verweigerte mein Eindringen mit einer sanften Grundberührung im Matsch – naja ginge auch ohne Festmacher hier… Nee, also doch Hansahafen, zurück tucker...tucker, mein Echolot zeigt zwischen 60 und 90 Metern Tiefe an. Hallooo, real ungefähr 2 Meter, wahrscheinlich so schlammig, dass kein vernünftiges Echo zurückkommt.



Wieder im Hansahafen – mit leichten Grummeln im Magen längsseits an der von Schwell betroffenen Pier festgemacht, um dann zu erfahren, dass es weder Wasser, Strom, geschweige denn eine Dusche gibt. Toiletten öffentlich an der nächsten Kreuzung. 
Hat etwa der G7-Gipfel den Hafen entfernt?
Die Stromsäule steht zwar da, aber ...
Nach einem kurzen Innehalten, mit seufzendem Beklagen meines Schicksals, fasse ich neuen Lebensmut und schmeiße die Leinen wieder los – dieser Platz ist nichts für mich, endgültig, aus! und Basta.
Später erfahre ich, dass sich der Betreiber angeblich mit der Kasse aus dem Staub gemacht hat, erst vor Kurzen, wie ich höre, sonst wäre es auch ein Trauerspiel, diese im „Reiseführer“ als  neue Marina angepriesene Anlage so versiffen zu lassen.

Inzwischen ist es 16:00, zurück Richtung Ostsee finde ich einen lauschigen Yachthafen auf der Insel mit dem romantischen Namen „Teerhofinsel“, viel los hier, ganz nett, lauschig auch insofern als man gelegentlich dem vorbeifahrenden Regionalzug lauschen kann. Ich denke jedesmal, ohh, so viel Wind, da kommt 'ne Hammerboe - falscher Alarm, ist ein Zug. Eigentlich bin ich in Bad Schwartau, zu erkennen an dem bekannten Marmeladenschild auf der anderen Uferseite.

Im Ernst, hier gefällt es mir, ich bleibe.

Nach diesem Tag, der 11 Stunden nach dem Auslaufen mit Festmachen einen Schlusspunkt findet (abgesehen vom Aufräumen, Vorbereitung für die erste Schleuse morgen, Umstellung des Funkgerätes auf ATIS, Diesel besorgen, Blog schreiben usw.), sage ich mir:
Soviel Abenteuer schon am 3. Tag, wer hätte das zu träumen gewagt.

Fazit meiner "kleinen Hafenrundfahrt", Grossenbrode = sehr zu empfehlen,
Hansa Hafen Lübeck = Schuss in den Ofen, LMC = kleine Motorboote und Ruderboote ok, sonst weiterfahren!

Und mein Marzipanbrot kaufe ich im Supermarkt - soooo, haste' davon Lübeck!

Aber schön war es irgendwie doch ...
...freue mich auf Morgen.

Freitag, 17. April 2015

... einschaukeln, Seebeine und Fischköppe, 2. Tag

Der zweite "richtige" Tag auf See (17.4.15) und nach der 2. Nacht im Boot ... ich bin "eingeschaukelt". Klar weiß jeder was das heißt,? trotzdem erklär' ich kurz mal.
An Bord sind die Bewegungen anders, die Luft ist anders - so frisch - der Tagesablauf ist anders, kurz, fast alles ist anders. Sich daran zu gewöhnen braucht ein wenig Zeit - außerdem schaukelt es meistens - und auch daran und an die ganz andere Beanspruchung der Muskeln (soweit vorhanden) muss man sich gewöhnen - man "schaukelt sich ein".
Das ist aber noch nicht alles, an Bord hat man jede Menge Dinge gestaut, Zubehör, Essen, Trinken, Adapter, Ladegeräte usw. - und das alles wiederzufinden, wenn man es braucht, gehört für mich auch zum Einschaukeln. Beim Verpacken entscheidet man sich (angesichts der vollen Segeltaschen mit dem ganzen Kram) etwas hektisch für einen offensichtlich sinnvollen Unterbringungsplatz - um dann 2 Tage später mindestens eine halbe Stunde danach zu suchen - alles passiert.
Jetzt ist alles an dem Ort, wo ich es wiederfinde und ich weiß auch wo es ist - gut so. Einen kleinen Helfer für Dinge, die schnell zur Hand sein sollen und nicht 'rumfliegen sollen, bietet das beliebte skandinavische Möbelkaufhaus, absolut maritime Plastikbeutel (gedacht zur Mülltrennung, billig und gut), die ich an ein paar Stellen mit Druckknöpfen befestigt habe.
Schaukelst Du noch - oder ordnest Du schon?

Da kommt der Kabelsalat 'rein.
Stilleben mit Druckknöpfen


...und die Seebeine? ...wird der aufmerksame Leser fragen. Ja, ist das eine anatomische Besonderheit oder gar ein orthopädisches Phänomen?
Auch wenn die Segler den ganzen Tag sitzen und abends trotzdem müde sind (ich mag übrigens beides), Beine gehören dazu, allein schon, damit man nicht bei jeder Welle - und die gab es heute reichlich - den Kaffee verschüttet - und damit man sich elegant wie ein Panther über Deck bewegt, obwohl man drei bis vier Schichten Klamotten trägt und überall Stolperfallen lauern.
Vermummungsverbot an Bord der Allegro wurde ausgesetzt.

Ganz schön wellig, NW ~ 5, aber von hinten, noch gut.

Der Kleine hat auch zu kämpfen.



Was war noch? Ach ja, die Fischköppe. Kurz vor der Fehmarnsundbrücke prustete und spotzte es neben mir, 2 - 3 muntere Tümmler spielten munter mit den Wellen, immer ganz dicht am Boot, 2 - 3 Meter, dann wieder weg, um auf der anderen Seite wiederzukommen. Leider keine Fotos, dazu waren die kleinen Delphine zu schnell. Sonst sieht man die Flitzer ja nur bei Flaute, diesmal waren sie nicht zu überhören und nicht zu übersehen, hat ihnen wohl Spaß gemacht, die Fischköppe immer mal wieder sehen zu lassen.
Hallooooo? Fischköppe? Mein Sohn studiert Biologie, ich muss es besser wissen - also keine Fischköppe - oder bin ich vielleicht einer?
Nach 2 Tagen auf See: Ein eingeschaukelter Fischkopp mit Seebeinen, na toll.

Mein Silber - ich bin reich!

Kurz vor dem Ziel, nachher rechts ab nach Großenbrode.

Passe ich durch? Jepp, alles klar.


Donnerstag, 16. April 2015

... unterwegs


... wie schwer es doch ist loszukommen.
An meinem geplanten Abfahrtstag "kachelte" es wie verrückt in der Flensburger Förde, Böen bis 95 km/h - kein Tag um aufzubrechen. Als kleiner Trost für den verpassten Absprung kam allerdings die große Politik zu Hilfe:
Wegen des G7-Gipfels der Außenminister in Lübeck wurde die ganze Trave gesperrt, ich wäre also ohnehin nicht bis Lübeck gekommen - ein Pluspunkt also für die Politik, den ich so noch in keinem Kommentar gelesen habe.

Am Donnerstag, 16.4., ist es dann soweit, zwar sind die Böen in der Förde weiterhin auf dem Wetterschirm, aber nicht im Morgengrauen, also los um 4:00 Uhr früh. Es ist dunkel (klar), arschkalt, aber es weht nur mit 3 - 4 Bft., noch dazu von hinten. Weiter im "Süden" sind keine Böen mehr vorhergesagt, da muss ich also hin.
Wie vorhergesagt, versuchten die Böen mich dann unterwegs doch zu erwischen, so gegen 10:00 ging's los mit Starkwind - aber "ätsch", da bin ich schon vor Schleimünde und schlüpfe im Hafen von Maasholm unter.
Auch hier Temperaturen zum Abgewöhnen, aber WLAN, so kann ich meine klammen Finger an der Tastatur wärmen - es lebe die Technik.
Morgen soll "handiges" Wetter sein, dann geht's weiter.

Auf dem Wasser - das hatte schon richtig was von Urlaub: allerdings eher Skiurlaub, nur ohne Skier, Schnee und auch keine Berge (nicht mal Wellenberge), es war kalt, zu kalt. Was habe ich mal  gepostet ? Ich will in den Süden, in die Sonne, zur Wärme - o.k., aller Anfang ist schwer - ich wiederhole mich - eben alles eingefroren.

Was ist sonst noch schwer am Loskommen - ja, der Abschied von meinen 3 Schätzen, ganz schwer ...

Bewährt hat sich unterwegs die Maststütze- da wackelt nix, das Ipad (wie immer) und die Selbststeueranlage, durch deren segensreiche Tätigkeit ich ab und zu einen warmen Kaffee machen konnte - aber auch der wurde viel zu schnell kalt.

Ein paar Bilder vom Aufbruch und von unterwegs.
Mein "zuhause" für's nächste

Nacht im Norden

... hinter mir auch Nacht, das "Einhorn" arbeitet trotzdem.

Es wird Licht

... so soll es sein, läuft bei mir ...

... ja wo isser denn?
Irgendwann kommt die Auflösung: https://www.youtube.com/watch?v=j_mNlaIeZYI&feature=youtu.be





Samstag, 11. April 2015

Kurz vor der Abfahrt


Quer durch Europa – bald …
Wer von uns Seglern kennt das nicht: Man sitzt im Wohnzimmer, im Büro oder sonst wo, guckt aus dem Fenster und ist in Gedanken ganz woanders.

Die Hagelschwaden an einem bedeckten Februar Nachmittag ziehen draußen vorbei – und man träumt von 3 – 4 Windstärken, wenn’s geht schräg von hinten, von warmem, sonnigem Wetter und von einem vergleichbaren Segelboot, das weiter vorne auf dem gleichen Kurs segelt – und das wir mit ein bisschen Schotengezupfe  langsam aber sicher einholen.

Kajüte im Winter - oder sieht das bei Euch anders aus?
Segler-Träume im Winter eben – aber eins ist sicher, der nächste Frühling kommt bestimmt und damit der Aufbruch zu neuen Zielen, für mich die Tour „Quer durch Europa“.

Ein paar Bilder aus der „dunklen“ Zeit, aus der oft dunklen Bootshalle, die aber niemand von uns missen möchte, weil sie zwar kalt aber trocken ist.



 


Da links, das Helle, das ist das Licht am Ende des "Wintertunnels"

 





























Kartentisch - zweckentfremdet


Trotzdem, die Zeit bis zum Start verrinnt fast ein bisschen  langsam, das Boot ist inzwischen fertig vorbereitet, eigentlich kann es losgehen – wenn das Wetter noch etwas freundlicher würde. 
Und … aufgeräumt wird auch noch, die nächsten Bilder werden anders aussehen, versprochen.

Wenn also so direkt nichts mehr vorzubereiten ist, schweifen die Gedanken ab:   Fragen tauchen auf wie „Was brauche ich unbedingt?“  oder „Was kann passieren?“ oder „Bin ich eigentlich ein Egoist auf dem Egotrip?“

Ja, neben all den Dingen, die jeder an Bord hat und die höchstens gesichtet, repariert oder optimiert werden müssen, gibt es noch ein paar Dinge, auf die ich nicht mehr verzichten möchte oder die besonders für meinen „hygelligen Trip“ wichtig sind:

Da ist erstens mein I-Pad (noch Version 2 mit GPS, aber völlig ausreichend) mit Karten von ganz Europa, inklusive Kanäle  -  und das für etwa 60 € (Navionics XG 46, speziell für I-Pad mit X-Traverse und iNavX).
Das I-Pad ist zusätzlich Unterhaltungsmedium, Kommunikations-Zentrum, Musikbox per bluetooth am Lautsprecher, zeigt AIS-Daten an und dient als Plotter.
Also fast die Eier-legende-Wollmilchsau, mit dem kleinen Makel, dass es empfindlich auf Wasser reagiert – die wasserdichte Schutzhülle von Armor-X gehört also unbedingt dazu.

 

Speziell für meine Reise brauche ich noch ein paar Handbücher und Seekarten in
Papierform, die (besonders die Bücher) außerdem prima geeignet sind, um die oben angedeutete Februar-Stimmung effektiv zu bekämpfen.
 





Der Schutz gegen die Sonne, wegen der ich eigentlich auch in den Süden fahre.

Aber im Übermaß ist selbst das ungesund, was uns im Norden oft fehlt, also:
Sonnenhut in allerlei Varianten, vom Hautarzt empfohlene Sonnencreme und ein Bimini (meins ist noch nicht fertig, wird aber so ähnlich aussehen) über dem Cockpit der 32iger.


 Und die Segel,
- last but not least – denn eigentlich ist es ja selbstverständlich, dass auf einer Segelyacht Segel dabei sind.
Bei mir: Groß, Sturmfock, Selbstwendefock, Ersatzfock, Genoa, Gennaker und vielleicht der Spinnaker.
Warum erwähne ich diese Selbstverständlichkeit?

Ich wollte einfach mal mein neues Großsegel zeigen und hier ist es.
Auf dem Foto noch in der Werkstatt von LEE-Sails, inzwischen zuhause im Keller.

Material: Path Membrane Cruise Technora Taft/Taft - Laminat, hört sich gewaltig an, ich hoffe, der "Segelmacher meines Vertrauens" hat die richtige Tuchauswahl getroffen. Bin optimistisch und gespannt.





Was so alles passieren kann – mag man sich im Einzelnen  gar nicht ausmalen – man sollte es aber, denn auch das gehört zur Vorbereitung.
Ganz konkret: Reden über die Angst.
Angst begleitet uns in allen Bereichen, auch wenn der typische „Segelheld“ vom Stammtisch das nicht zugeben wird und Sätze wie „hoch die Lappen und über die See ge-r-r-r-itten“ von sich gibt. Die Angst ist da, aber man soll sich ja nicht unterkriegen lassen …

Es gibt die Angst, dass eine überstandene Krankheit zurückkommt, das hat aber Nichts mit dem Segeln zu tun – also einfach bei Seite schieben und immer positiv denken.

Es gibt die Angst, etwas Wichtiges zu vergessen – die Steuererklärung, die Kontovollmacht, die Daueraufträge als Überweisung auf das Reisekonto mit der kostenfreien Kreditkarte im Ausland, noch was?
Ach ja, "péage plaisance", frei übersetzt "aus Freude am Bezahlen"?, übers Internet bestellt, ganzjährig knapp 250.--€.
Hoffe das war alles - gut, dass es diese Angst gibt, sie hilft genau zu planen.

Es gibt die andere Angst: dass das Boot einen Kratzer bekommt, dass eine Untiefe im Weg liegt, dass der Motor schwächelt – und so Einiges mehr, alles Dinge, die („shit happens“),  passieren können, die möglichst vermieden werden sollen.
Die Angst führt zur Vorsicht, Planung und Bedachtsamkeit – ist also gut.

Dann gibt es noch die Angst, die mich am meisten nervt.:
Wahrscheinlich kennt es jeder: Man wacht nachts auf, alles dunkel, der Wintersturm schüttelt die Bäume im Garten, es ist irgendwie kalt und ungemütlich – und man hat gerade geträumt, dass man vor Anker liegt in einer schönen Bucht mit (leider) felsigem Ufer und der Wind, der gerade weiter zulegt (im Garten und im Traum), dreht, L e g e r w a l l.
Der Schreck wirkt noch eine Weile nach, ehe man ganz wach ist  - aber das Einschlafen fällt danach doch schwerer. Am nächsten Morgen ist alles vorbei, das Licht ist wieder da, die dunkeln Phantasien sind wie weggeblasen – oder sollte ich besser sagen – weggewischt?

Ja, das nervt – aber nichts ist umsonst und auch die Vorsicht und Bedachtsamkeit haben ihren Preis und diese Ängste bringen uns dazu, alle Eventualitäten so gut wie möglich einzukalkulieren – also Wetterbericht hören, „gut“ ankern, usw., einfach immer auf der Hut sein. Dazu hat übrigens die Yacht Zeitung gerade mehrere Seiten herausgegeben (Thema Seemannschaft), bin ich leichtsinnig, weil mir diese kargen Zeilen reichen?

Abfahrbereit !
Und nun zur letzten Frage, bin ich ein Egoist, dass ich mir die Reise gönne?

Das müssen andere beantworten, deshalb kommt die Familie zu Wort:

Zitat von Andrea, David und Christian:

 „‘gönn Dir!“.   

       Thx!


 




Samstag, 7. März 2015

Im Märzen ...

Erinnerungen an den Sommer ...


Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt ... - und was macht der Segler?
Richtig, er träumt vom Sommer oder dem ersten Frühlingstörn.

Zur Steigerung der Vorfreude, zur Einstimmung auf die kommenden Abenteuer und zum Kennenlernen, hier der Link zu einem kleinen Videoclip aus dem Sommer 2014, zu ersten Versuchen mit der GoPro - und zum Träumen.

https://www.youtube.com/watch?v=535t4BVLapY

Viel Spaß beim Träumen.




Montag, 23. Februar 2015

Warum? Wie? ... Vorüberlegungen



Die Vorüberlegungen
„Warum willst Du das eigentlich machen?“  So oder so ähnlich wurde ich oft gefragt, wenn ich kurz mein bevorstehendes Abenteuer angedeutet habe. Die Antwort?
Zuerst wusste ich keine und so zu antworten wie die Bergsteiger, die gefragt werden, warum sie da hochklettern: „Weil die Berge eben da sind“, war mir zu einfach und auch zu blöd, denn ich nehme ja auch keine Drogen, nur weil sie da sind.
Klar war mir nur, dass ich es wollte:
Quer durch Europa mit dem eigenen Boot, von Flensburg ins Mittelmeer und zwar nicht „außen ´rum“, sondern ganz gemütlich durch die Kanäle – bei Lübeck ´rein und bei Marseille wieder ´raus.
  
Doch zurück zur Eingangsfrage, warum?
Nach einigem Überlegen konnte ich meine Antwort strukturieren und in 3 Teile aufteilen:
   1. Ich habe die Zeit, ich bin seit Mitte 2013 im Ruhestand, beide Söhne studieren seit Herbst 2014 und meine Frau kommt vielleicht zu Besuch an Bord.
   2. Ich habe das Boot, eine Dehler 32, Baujahr 1994. Das Boot ist ganz gut in Schuss und das Wichtigste: es hat „nur“ 1,50 Meter Tiefgang. Für die Kanäle in Frankreich sind 1,80 Meter das Limit.
  3. Ich habe Lust dazu. Ich möchte mal längere Zeit auf dem Boot leben, dazu eine „richtige“ Reise machen und (wichtig!) so viel schönes Wetter wie nur geht erleben. Ich bin schon immer gerne gereist, gestört hat mich (nach der Studentenzeit im VW-Bus) die Art zu reisen, ohne die Entfernungen zu „erleben“. In 20 Stunden von Haus zu Haus z.B. von Flensburg nach Peking lässt vergessen, was Reisen eigentlich bedeutet, es ist – wenn auch toll – mehr ein Ortswechsel.
Meine Reise ins Mittelmeer wird schätzungsweise  4 - 6 Wochen dauern, also eher Fußgängertempo, viel Zeit zum Gucken, zum Erleben.

Ich werde nicht durch die Nordsee segeln, nicht über die Biskaya und nicht auf dem Atlantik, nicht außen um Europa herum fahren, sondern eben quer durch. Der Grund: Ich bin kein Held und will einfach nur Spaß haben, keine Rekorde, keine Heldentaten.

Trotzdem muss man auch für eine solche, hoffentlich „hyggelige“ Reise einige Vorbereitungen treffen, über die ich hier kurz berichten werde.

Was man alles braucht:
Zunächst einmal kann man nicht so einfach losfahren ohne das „o.k.“ der Behörden einzuholen,  was in meinem Fall bedeutete, den „Sportbootführerschein- Binnen“ zu erwerben. Zum Glück wurde in der SV Flensburg im Winter 2012/13 ein entsprechender Kurs angeboten, mit anschließender Prüfung vor dem DSV. Der Wochenendlehrgang war interessant und informativ, hat einige wertvolle Informationen geboten und mir vor allem die Berechtigung gegeben, in Deutschland und anderen europäischen Ländern mit meinem Boot auf den Binnenwasserstraßen herum zu schippern.

Das ist noch nicht alles, man braucht auch noch (über 5,50 m Bootslänge und/oder 3 PS) ein amtlich anerkanntes Kennzeichen, – wie eine Autonummer -  das man erhält, wenn man sich einen Internationalen Bootsschein ausstellen lässt (natürlich gegen Gebühr). Ausstellen kann diesen weltweit anerkannten Registrierungsnachweis in Deutschland der ADAC, der DSV und der Deutsche Motoryachtverband, man erhält einen schönen Ausweis und eine Registriernummer, die am Boot angebracht werden muss.

Was ich nicht brauchte war die EU-Konformitätserklärung (CE-Zeichen), mein Vorteil: Altes Boot, vor 1998 gebaut.

Mitnehmen sollte man auf jeden Fall auch einen Mehrwertsteuernachweis, also die Rechnung für den Kauf des Bootes – man weiß ja nie …

… und zu klären ist auch, ob die Kaskoversicherung den Bereich abdeckt – am besten schriftlich …
.... und ob der Versicherungsnachweis über die Haftpflichtversicherung (international) an Bord ist ...

Ein echtes Problem bei einer gemischten Tour (binnen und buten) scheint die Nutzung des Funkgerätes zu sein. Ich habe z.B. ein GMDSS-fähiges Seefunkgerät fest eingebaut, also eine offizielle UKW-Funkstelle, mit Zuteilungsnummer usw., damit („Beschränkt Gültiges Betriebszeugnis für Funker I“) darf ich alle UKW-Funkgeräte betreiben.
Für die deutschen Binnenwasserstraßen (und Niederlande und …) braucht man aber ein ATIS-Funkgerät, das eine besondere Binnenkennung aussendet. Die Idee, ein solches Gerät als Handfunke zu kaufen funktioniert auch nicht, da ATIS-Handfunkgeräte in Deutschland keine Zulassung bekommen.
Ich kann also auf Binnengewässern funken (Zeugnis vorhanden, technisch möglich, Frequenzen sind dieselben wie beim Seefunk), darf es aber nicht, weil ich mein Gerät nicht umschalten kann (so etwas zum Umschalten gibt es natürlich zu kaufen).
Was also tun?
Ich werde das Funkgerät nicht benutzen, Schleusen kann man auch per Handy erreichen, falls nötig. Mehr möchte ich hier dazu nicht schreiben, dem Funkverkehr zuhören werde ich ja wohl dürfen  – oder?

Update:
Soweit mein Wissenstand und meine Planung – bis ich mich etwas genauer informiert hatte. Ein Anruf bei der Bundesnetzagentur und Recherche in diversen Reiseberichten ergab dann, dass die Strafe für’s illegale Betreiben einer Funkstelle – und das wäre es schon, wenn ich ein nicht reviergerechtes, funktionierendes Funkgerät spazieren fahre, ohne es zu benutzen – in Holland bei 75 € liegt, in Deutschland ähnlich.
Ich habe nicht weiter nachgefragt – und ein neues Funkgerät bestellt, dass auf ATIS umgestellt werden kann. Kostenpunkt : ~150 €, also 2 mal Strafe vermeiden und ich habe es ´raus. Und, ehrlich, das neue Gerät ist schöner als das alte.
So ganz kam meine Rechnung (2 x Strafe vermeiden = 1 Funkgerät) doch nicht hin, denn die Netzagentur hat für die neue Zuteilung einer ATIS-Nummer (kann man übrigens aus dem Rufzeichen selbst errechnen) 43 € erhalten.

Nach diesem – zugegeben – etwas nervigen Absatz über die Funkerei, mal etwas Positives von den Behörden:
Für Sportboote fallen keine Gebühren auf den deutschen Binnenwasserstraßen an, alles wird abgegolten durch die Verbände bzw. den Kauf des Internationalen Bootsscheins (s.o.), in den Niederlanden ebenso, in Belgien ein paar Euro.
 Nicht ganz so erfreulich, aber verständlich, die Regelung  in Frankreich. Dort gibt es ein sehr weit verzweigtes Kanalnetz, das ich zum Teil nutzen will -davon später – und das unterhalten werden muss und teilweise nur von Sportbooten (also wenig kommerziell) befahren wird. Deshalb kauft man an der ersten französischen Schleuse oder per Internet (Rabatt!)  eine Vignette, der Preis ist abhängig von der Bootsgröße und der Nutzungsdauer. Für meine Dehler 32 kostet es etwa 250€, für das ganze Jahr 2015. Ich hoffe, Horst Seehofer und Alexander Dobrindt  lesen das nicht, denn über eine Maut für Segler und Binnenschipper wird ja bisher noch nicht diskutiert, also nix verraten …
Nach der Beschreibung der „administrativen“ Vorbereitungen nun aber zur Route, nach der Pflicht also die Kür:

Ich plane, mit dem Mast auf Deck von Flensburg nach Lübeck zu motoren, weil Aufriggen-Abriggen innerhalb von 2-3 Tagen ja ziemlich nervt – wäre gar nicht „hyggelig“.
Bei  Lübeck beginnt dann der Elbe-Lübeck-Kanal, den fahre ich bis Lauenburg, ein ganz kurzes Stück die Elbe hinunter, dann „links ab“ in den Elbe-Seitenkanal bis zum Mittellandkanal, rechts ab Richtung Westen, vorbei an Hannover, Minden, bis zum Rhein etwas nördlich von Duisburg, den Rhein stromabwärts bis in die Niederlande, dann „links ab“ in die Maas. Und nun immer geradeaus durch die Niederlande, ein Stück Belgien und dann Frankreich. In Frankreich ist es dann schon warm und wird immer wärmer – hoffe ich - es geht nämlich immer nach Süden. Die Route führt vom „Canal de l`Est“ über die „Saone“ in die „Rhone“, kurz vor Marseille geht es nochmal nach rechts in den „Canal du Rhone a Sète“.
Jetzt ist das Mittelmeer ganz nah und der Mast wartet darauf wieder senkrecht zu stehen.
Im Mittelmeer wird dann natürlich gesegelt - wenn Wind ist - geplant in Richtung Spanien, Barcelona, dann nach Mallorca, dolce vita, café con leche, Paella, was das Herz begehrt.
Die Karte zeigt einen groben Überblick über die Route, enthalten sind ungefähr 200 Schleusen, ein paar Tunnel und ein Schiffshebewerk. Entfernung etwa 1000sm, ich rechne mit knapp 300 Liter Diesel (Hinweg) – aber es gibt ja unterwegs Tankstellen.

Lasst uns doch mal übers Geld reden.
Bisher habe ich schon die Vignette für ungefähr 250 € und den Diesel für ungefähr 500 € erwähnt, Ausgaben, die nicht „sexy“ sind.
Anders ist es da schon mit dem, was man für das Boot anschafft, das macht doch wesentlich mehr Spaß – für den Ökonomen: Das sind Investitionen, das andere ist Konsum.

Als Aufzählung einige notwendige Ausgaben/Anschaffungen:
2 große Kugelfender für die Schleusen, Motorinspektion (neuer Thermostat, 2 neue Düsen, Arbeitslohn), Kartenmaterial und Handbücher für die Kanäle (zum Teil vorhanden, z.B. Navionics digitale Karten für ganz Europa fürs I-Pad).
Im Winter 2014 werden noch 2 Solarpanele angeschafft und mit Zubehör eingebaut, denn der Kühlschrank soll immer kalt sein. Meine beiden Gelbatterien mit je 85 Ah und die Starterbatterie mit 45 Ah werden also vom Motor (Lichtmaschine) geladen, vom Landstrom (wenn vorhanden) und von 2 Solarpanelen zu je 60 Wp – ich hoffe, das reicht. Ich setze auf die Sonne im Mittelmeer.

Besonders schön ist das neue Grosssegel, das auf den ersten Einsatz im Mittelmeer wartet. Das „alte“ Regattasegel ist zwar optisch und technisch auch nach 7 Jahren noch prima, ich vermute aber, dass die Mittelmeersonne ihm „den Rest“ geben würde, deshalb das neue Gross.
Ein stabiles Mastlagergestell wurde aus Dachlatten selbst zusammengezimmert - fast umsonst – ein Dampferlicht wird an einem kleinen Stummelmast (1 m über Schandeck – noch ´ne Vorschrift) befestigt.
Die Gastlandflaggen sind dann wirklich nur noch „peanuts“, außerdem ist Weihnachten gerade vorbei – und dass ich immer sehr artig war, hat sich ausgezahlt.
Damit es mir unterwegs nicht langweilig wird, wird die „gopro“ Kamera dabei sein, eine Anschaffung, die auch abseits vom Segeln/Bootfahren Spaß macht.
Anker, Leinen, Sonnenschutz, Schleusenhaken, Schlauchboot, alle Segel (Groß, Sw-Fock, Genoa, Sturmfock, Spi, Gennaker) usw. sind vorhanden, wie bei den meisten Seglern.

Ein wesentlicher Posten werden die Liegegebühren sein, die im Mittelmeer ja bekanntlich eine ganze Ecke jenseits der Schmerzgrenze liegen können. In kommunalen Häfen ist es oft recht günstig -  wenn man einen Platz bekommt. Ansonsten plane ich natürlich auch, immer wenn möglich, zu ankern. Weil es schön ist und um etwas Geld zu sparen, das ich dann ja prima anderweitig ausgeben kann, ich habe da viele Ideen …

Geplant ist die Reise für 2015, von Mitte April bis Anfang Oktober. Dann bin ich entweder zurück (wohl auf demselben Weg, mit einer Änderung – ab Koblenz den Rhein abwärts bis Duisburg) oder ich bzw. das Boot bleibt eine weitere Saison im Mittelmeer.
Informationen zur Vorbereitung gibt es z.B. beim ADAC  (Wege ins Mittelmeer) und einer sehr empfehlenswerten Seite für Segler: http://www.sy-merger.de.

Ich habe bisher noch gar nicht über die Crew berichtet – aus gutem Grund – es gibt keine. Ich plane die Reise alleine, denn wer hat schon so viel Zeit (siehe Punkt 1. oben) wie ich. Einige Freunde haben sich für Teiletappen angesagt, ich freue mich wenn ich Besuch bekomme, Andrea will auch mal vorbeischauen (besonders bei den Balearen) – Fazit: Alleine planen, Gesellschaft ist willkommen.

Also, die Zeit läuft, wenn alles gesund und munter bleibt, beginnt das „hyggelige“ Abenteuer im Frühjahr 2015 – ich werde berichten.