Montag, 23. Februar 2015

Warum? Wie? ... Vorüberlegungen



Die Vorüberlegungen
„Warum willst Du das eigentlich machen?“  So oder so ähnlich wurde ich oft gefragt, wenn ich kurz mein bevorstehendes Abenteuer angedeutet habe. Die Antwort?
Zuerst wusste ich keine und so zu antworten wie die Bergsteiger, die gefragt werden, warum sie da hochklettern: „Weil die Berge eben da sind“, war mir zu einfach und auch zu blöd, denn ich nehme ja auch keine Drogen, nur weil sie da sind.
Klar war mir nur, dass ich es wollte:
Quer durch Europa mit dem eigenen Boot, von Flensburg ins Mittelmeer und zwar nicht „außen ´rum“, sondern ganz gemütlich durch die Kanäle – bei Lübeck ´rein und bei Marseille wieder ´raus.
  
Doch zurück zur Eingangsfrage, warum?
Nach einigem Überlegen konnte ich meine Antwort strukturieren und in 3 Teile aufteilen:
   1. Ich habe die Zeit, ich bin seit Mitte 2013 im Ruhestand, beide Söhne studieren seit Herbst 2014 und meine Frau kommt vielleicht zu Besuch an Bord.
   2. Ich habe das Boot, eine Dehler 32, Baujahr 1994. Das Boot ist ganz gut in Schuss und das Wichtigste: es hat „nur“ 1,50 Meter Tiefgang. Für die Kanäle in Frankreich sind 1,80 Meter das Limit.
  3. Ich habe Lust dazu. Ich möchte mal längere Zeit auf dem Boot leben, dazu eine „richtige“ Reise machen und (wichtig!) so viel schönes Wetter wie nur geht erleben. Ich bin schon immer gerne gereist, gestört hat mich (nach der Studentenzeit im VW-Bus) die Art zu reisen, ohne die Entfernungen zu „erleben“. In 20 Stunden von Haus zu Haus z.B. von Flensburg nach Peking lässt vergessen, was Reisen eigentlich bedeutet, es ist – wenn auch toll – mehr ein Ortswechsel.
Meine Reise ins Mittelmeer wird schätzungsweise  4 - 6 Wochen dauern, also eher Fußgängertempo, viel Zeit zum Gucken, zum Erleben.

Ich werde nicht durch die Nordsee segeln, nicht über die Biskaya und nicht auf dem Atlantik, nicht außen um Europa herum fahren, sondern eben quer durch. Der Grund: Ich bin kein Held und will einfach nur Spaß haben, keine Rekorde, keine Heldentaten.

Trotzdem muss man auch für eine solche, hoffentlich „hyggelige“ Reise einige Vorbereitungen treffen, über die ich hier kurz berichten werde.

Was man alles braucht:
Zunächst einmal kann man nicht so einfach losfahren ohne das „o.k.“ der Behörden einzuholen,  was in meinem Fall bedeutete, den „Sportbootführerschein- Binnen“ zu erwerben. Zum Glück wurde in der SV Flensburg im Winter 2012/13 ein entsprechender Kurs angeboten, mit anschließender Prüfung vor dem DSV. Der Wochenendlehrgang war interessant und informativ, hat einige wertvolle Informationen geboten und mir vor allem die Berechtigung gegeben, in Deutschland und anderen europäischen Ländern mit meinem Boot auf den Binnenwasserstraßen herum zu schippern.

Das ist noch nicht alles, man braucht auch noch (über 5,50 m Bootslänge und/oder 3 PS) ein amtlich anerkanntes Kennzeichen, – wie eine Autonummer -  das man erhält, wenn man sich einen Internationalen Bootsschein ausstellen lässt (natürlich gegen Gebühr). Ausstellen kann diesen weltweit anerkannten Registrierungsnachweis in Deutschland der ADAC, der DSV und der Deutsche Motoryachtverband, man erhält einen schönen Ausweis und eine Registriernummer, die am Boot angebracht werden muss.

Was ich nicht brauchte war die EU-Konformitätserklärung (CE-Zeichen), mein Vorteil: Altes Boot, vor 1998 gebaut.

Mitnehmen sollte man auf jeden Fall auch einen Mehrwertsteuernachweis, also die Rechnung für den Kauf des Bootes – man weiß ja nie …

… und zu klären ist auch, ob die Kaskoversicherung den Bereich abdeckt – am besten schriftlich …
.... und ob der Versicherungsnachweis über die Haftpflichtversicherung (international) an Bord ist ...

Ein echtes Problem bei einer gemischten Tour (binnen und buten) scheint die Nutzung des Funkgerätes zu sein. Ich habe z.B. ein GMDSS-fähiges Seefunkgerät fest eingebaut, also eine offizielle UKW-Funkstelle, mit Zuteilungsnummer usw., damit („Beschränkt Gültiges Betriebszeugnis für Funker I“) darf ich alle UKW-Funkgeräte betreiben.
Für die deutschen Binnenwasserstraßen (und Niederlande und …) braucht man aber ein ATIS-Funkgerät, das eine besondere Binnenkennung aussendet. Die Idee, ein solches Gerät als Handfunke zu kaufen funktioniert auch nicht, da ATIS-Handfunkgeräte in Deutschland keine Zulassung bekommen.
Ich kann also auf Binnengewässern funken (Zeugnis vorhanden, technisch möglich, Frequenzen sind dieselben wie beim Seefunk), darf es aber nicht, weil ich mein Gerät nicht umschalten kann (so etwas zum Umschalten gibt es natürlich zu kaufen).
Was also tun?
Ich werde das Funkgerät nicht benutzen, Schleusen kann man auch per Handy erreichen, falls nötig. Mehr möchte ich hier dazu nicht schreiben, dem Funkverkehr zuhören werde ich ja wohl dürfen  – oder?

Update:
Soweit mein Wissenstand und meine Planung – bis ich mich etwas genauer informiert hatte. Ein Anruf bei der Bundesnetzagentur und Recherche in diversen Reiseberichten ergab dann, dass die Strafe für’s illegale Betreiben einer Funkstelle – und das wäre es schon, wenn ich ein nicht reviergerechtes, funktionierendes Funkgerät spazieren fahre, ohne es zu benutzen – in Holland bei 75 € liegt, in Deutschland ähnlich.
Ich habe nicht weiter nachgefragt – und ein neues Funkgerät bestellt, dass auf ATIS umgestellt werden kann. Kostenpunkt : ~150 €, also 2 mal Strafe vermeiden und ich habe es ´raus. Und, ehrlich, das neue Gerät ist schöner als das alte.
So ganz kam meine Rechnung (2 x Strafe vermeiden = 1 Funkgerät) doch nicht hin, denn die Netzagentur hat für die neue Zuteilung einer ATIS-Nummer (kann man übrigens aus dem Rufzeichen selbst errechnen) 43 € erhalten.

Nach diesem – zugegeben – etwas nervigen Absatz über die Funkerei, mal etwas Positives von den Behörden:
Für Sportboote fallen keine Gebühren auf den deutschen Binnenwasserstraßen an, alles wird abgegolten durch die Verbände bzw. den Kauf des Internationalen Bootsscheins (s.o.), in den Niederlanden ebenso, in Belgien ein paar Euro.
 Nicht ganz so erfreulich, aber verständlich, die Regelung  in Frankreich. Dort gibt es ein sehr weit verzweigtes Kanalnetz, das ich zum Teil nutzen will -davon später – und das unterhalten werden muss und teilweise nur von Sportbooten (also wenig kommerziell) befahren wird. Deshalb kauft man an der ersten französischen Schleuse oder per Internet (Rabatt!)  eine Vignette, der Preis ist abhängig von der Bootsgröße und der Nutzungsdauer. Für meine Dehler 32 kostet es etwa 250€, für das ganze Jahr 2015. Ich hoffe, Horst Seehofer und Alexander Dobrindt  lesen das nicht, denn über eine Maut für Segler und Binnenschipper wird ja bisher noch nicht diskutiert, also nix verraten …
Nach der Beschreibung der „administrativen“ Vorbereitungen nun aber zur Route, nach der Pflicht also die Kür:

Ich plane, mit dem Mast auf Deck von Flensburg nach Lübeck zu motoren, weil Aufriggen-Abriggen innerhalb von 2-3 Tagen ja ziemlich nervt – wäre gar nicht „hyggelig“.
Bei  Lübeck beginnt dann der Elbe-Lübeck-Kanal, den fahre ich bis Lauenburg, ein ganz kurzes Stück die Elbe hinunter, dann „links ab“ in den Elbe-Seitenkanal bis zum Mittellandkanal, rechts ab Richtung Westen, vorbei an Hannover, Minden, bis zum Rhein etwas nördlich von Duisburg, den Rhein stromabwärts bis in die Niederlande, dann „links ab“ in die Maas. Und nun immer geradeaus durch die Niederlande, ein Stück Belgien und dann Frankreich. In Frankreich ist es dann schon warm und wird immer wärmer – hoffe ich - es geht nämlich immer nach Süden. Die Route führt vom „Canal de l`Est“ über die „Saone“ in die „Rhone“, kurz vor Marseille geht es nochmal nach rechts in den „Canal du Rhone a Sète“.
Jetzt ist das Mittelmeer ganz nah und der Mast wartet darauf wieder senkrecht zu stehen.
Im Mittelmeer wird dann natürlich gesegelt - wenn Wind ist - geplant in Richtung Spanien, Barcelona, dann nach Mallorca, dolce vita, café con leche, Paella, was das Herz begehrt.
Die Karte zeigt einen groben Überblick über die Route, enthalten sind ungefähr 200 Schleusen, ein paar Tunnel und ein Schiffshebewerk. Entfernung etwa 1000sm, ich rechne mit knapp 300 Liter Diesel (Hinweg) – aber es gibt ja unterwegs Tankstellen.

Lasst uns doch mal übers Geld reden.
Bisher habe ich schon die Vignette für ungefähr 250 € und den Diesel für ungefähr 500 € erwähnt, Ausgaben, die nicht „sexy“ sind.
Anders ist es da schon mit dem, was man für das Boot anschafft, das macht doch wesentlich mehr Spaß – für den Ökonomen: Das sind Investitionen, das andere ist Konsum.

Als Aufzählung einige notwendige Ausgaben/Anschaffungen:
2 große Kugelfender für die Schleusen, Motorinspektion (neuer Thermostat, 2 neue Düsen, Arbeitslohn), Kartenmaterial und Handbücher für die Kanäle (zum Teil vorhanden, z.B. Navionics digitale Karten für ganz Europa fürs I-Pad).
Im Winter 2014 werden noch 2 Solarpanele angeschafft und mit Zubehör eingebaut, denn der Kühlschrank soll immer kalt sein. Meine beiden Gelbatterien mit je 85 Ah und die Starterbatterie mit 45 Ah werden also vom Motor (Lichtmaschine) geladen, vom Landstrom (wenn vorhanden) und von 2 Solarpanelen zu je 60 Wp – ich hoffe, das reicht. Ich setze auf die Sonne im Mittelmeer.

Besonders schön ist das neue Grosssegel, das auf den ersten Einsatz im Mittelmeer wartet. Das „alte“ Regattasegel ist zwar optisch und technisch auch nach 7 Jahren noch prima, ich vermute aber, dass die Mittelmeersonne ihm „den Rest“ geben würde, deshalb das neue Gross.
Ein stabiles Mastlagergestell wurde aus Dachlatten selbst zusammengezimmert - fast umsonst – ein Dampferlicht wird an einem kleinen Stummelmast (1 m über Schandeck – noch ´ne Vorschrift) befestigt.
Die Gastlandflaggen sind dann wirklich nur noch „peanuts“, außerdem ist Weihnachten gerade vorbei – und dass ich immer sehr artig war, hat sich ausgezahlt.
Damit es mir unterwegs nicht langweilig wird, wird die „gopro“ Kamera dabei sein, eine Anschaffung, die auch abseits vom Segeln/Bootfahren Spaß macht.
Anker, Leinen, Sonnenschutz, Schleusenhaken, Schlauchboot, alle Segel (Groß, Sw-Fock, Genoa, Sturmfock, Spi, Gennaker) usw. sind vorhanden, wie bei den meisten Seglern.

Ein wesentlicher Posten werden die Liegegebühren sein, die im Mittelmeer ja bekanntlich eine ganze Ecke jenseits der Schmerzgrenze liegen können. In kommunalen Häfen ist es oft recht günstig -  wenn man einen Platz bekommt. Ansonsten plane ich natürlich auch, immer wenn möglich, zu ankern. Weil es schön ist und um etwas Geld zu sparen, das ich dann ja prima anderweitig ausgeben kann, ich habe da viele Ideen …

Geplant ist die Reise für 2015, von Mitte April bis Anfang Oktober. Dann bin ich entweder zurück (wohl auf demselben Weg, mit einer Änderung – ab Koblenz den Rhein abwärts bis Duisburg) oder ich bzw. das Boot bleibt eine weitere Saison im Mittelmeer.
Informationen zur Vorbereitung gibt es z.B. beim ADAC  (Wege ins Mittelmeer) und einer sehr empfehlenswerten Seite für Segler: http://www.sy-merger.de.

Ich habe bisher noch gar nicht über die Crew berichtet – aus gutem Grund – es gibt keine. Ich plane die Reise alleine, denn wer hat schon so viel Zeit (siehe Punkt 1. oben) wie ich. Einige Freunde haben sich für Teiletappen angesagt, ich freue mich wenn ich Besuch bekomme, Andrea will auch mal vorbeischauen (besonders bei den Balearen) – Fazit: Alleine planen, Gesellschaft ist willkommen.

Also, die Zeit läuft, wenn alles gesund und munter bleibt, beginnt das „hyggelige“ Abenteuer im Frühjahr 2015 – ich werde berichten.

Kommentare:

  1. Bin sehr gespannt auf die Reise! *.*

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  2. cool.. Gerd, I am so proud of you. I have followed you and will get the each update of you every time.

    this is my blog :-P

    http://grauerde.blogspot.de

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  3. Die gleiche Tour hab ich auch für nächstes Jahr geplant. Deswegen bin ich sehr gespannt. Viel Glück auf der Fahrt.
    Reiner von der NEMO

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  4. Wie gestern Abend schon besprochen: Ich nehme keine Fernsehserie (mehr) an und auch maximal nur einen Blog, nämlich diesen Deinen.
    Gerade die Tour auf den Flüssen und Kanälen wird bestimmt traumhaft !
    Freue mich auf Reiseberichte ab Mitte April !

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  5. Das wird wohl eine spannende Reise durch Europas schöne Wiesen und Felder.
    Freue mich auf Berichte und Videoclips!!!

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